Une nuit à Bordeaux

Veröffentlicht auf von Jojo Heinz

Gestern Nacht bin ich das erste Mal so richtig französisch ausgegangen. Zuerst ein Treffen in einer WG im Zentrum bei billigem Wein und guten Gesprächen. Wir sind eine gemischte Gruppe: fünf Franzosen, die kein Englisch sprechen, eine Französin, die sehr gut Englisch spricht, zwei Deutsche die ein wenig Französisch und Englisch sprechen und ein Engländer, der nur Englisch spricht. So wechsle ich also den ganzen Abend zwischen Französisch, Deutsch und Englisch hin und her. Da wird’s einem ganz schwindelig.
Nach dem Vorglühen geht’s in eine nette kleine Bar, aber die wird bald zu eng für uns, also beschließen wir ins Discoviertel der Stadt zu fahren. Rund um den Bahnhof Saint-Jean reiht sich ein Club an den anderen. Die Straßen sind gefüllt mich zwielichtigen Gestalten und Teenagern, die sich betrunken prügeln, ob Spaß ob Ernst, wahrscheinlich wissen sie es selbst nicht so genau. Wir stranden im „La Plage“. Eine durch und durch gewöhnliche Disco. Es läuft Housemusik, die Drinks sind überteuert, es ist kochend heiß.
Um vier Uhr müssen alle Clubs in Bordeaux schließen. Das kommt mir gar nicht ungelegen – ich träume schon auf der Tanzfläche von meinem Bett. Aber erstmal muss der Heimweg angetreten werden. Das erste Stück laufe ich in Begleitung von Delphine und Susanna, meinen Peugeot schiebe ich neben mir her. Man hat mir schon mehrmals versichert, das Bahnhofsviertel sei das gefährliche Viertel der Stadt. Es ist tatsächlich ein wenig unheimlich. Die anderen Discobesucher sind in alle Himmelrichtungen entschwunden und wir spazieren einsam über eine Brücke, die zum Bahnhof führt. Plötzlich kommen fünf schwarz gekleidete Frauen, kräftig, etwa in unserem Alter auf uns zu. „Gib mir dein Fahrrad. Ich will eine Runde drehen!“ sag die eine, und greift in meinen Lenker. Ich halte meinen geliebten Peugeot umklammert. „Nein, das ist mein Fahrrad!“ sage ich, ein wenig zaghaft. „Ja, aber ich will jetzt eine Runde drehen!“ Sie zieht an meinem Fahrrad, ich halte fest, sie zieht. Ich merke, wie sie langsam immer aggressiver wird. Ihre Freundin kommt ihr zu Hilfe. „Entweder, du gibst uns dein Fahrrad oder deine Handtasche!“ Beide kommen mir bedrohlich nahe, schon sehe ich ihre Fäuste auf mein Gesicht niederprasseln. Ich lasse los. Ich liebe mein Fahrrad, aber mein Gesicht liebe ich mehr.
Meine Gegnerin schwingt sich auf mein Fahrrad. Ich sehe sie davon radeln und fühle mich ohnmächtig. Traurig nehme ich Abschied von Peugeot. Doch dann, an der nächsten Ecke, springt Madame ab und pfeffert mein Fahrrad gegen den Bordstein. „Hier, du kannst es dir abholen! Danke für die Fahrt!“ Sie lacht gehässig.
Ich bin glücklich, dass ich mein Fahrrad wieder habe, traurig, dass es Frauen in meinem Alter gibt, deren einziges Vergnügen es ist anderen Angst zu machen, Ärger zu provozieren, sich zu schlagen. Ich verstehe, was man mir „gefährlichem Viertel“ sagen wollte und bin froh, dass heute nicht die erste Nacht meines Lebens ist, in der ich mich prügeln musste.
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A
Krasso, jetzt hab auch ich die Story gelesen. Hätte auch nicht gewusst, wie ich da reagiert hätte - vor allem in einer anderen Sprache... Pass bloß auf dich auf :-/
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A
oh, man das hört sich echt gruselig an. Du solltest vielleicht wirklich Pfefferspray bei dir haben. Mein Trick: So tun als würde man telefonieren und dabei immer wieder sagen wo man gerade ist und dass man gleich da ist und so. Pass bitte auf dich auf und weniger auf das Fahrrad!!
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J
Nein, keine Angst! Alles noch da, wo es hingehört! Ist ja quasi nichts passiert!
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S
Ach du scheiße, wie krass ist das denn!!<br /> aber dann hoffen wir doch, dass es die LETZE Nacht war, in der du dich prügeln musstest. Gibt es nachhaltige Spuren in deinem schönen Gesicht?
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