Baldemar - El Jungleman
Er heißt Baldemar, nennt sich „El Jungleman“, kaum 1,60 groß, dunkle Lederhaut, Schnurrbart und ein verschmitztes Lächeln. Er stammt aus einer kleinen Communidad am Flusse Beni im bolivianischen Amazonas-Becken. Den Regenwald - „la selva“, er sagt das sehr liebevoll, kennt er wie seine Westentasche. Wir haben das Glück, dass er uns drei Tage in dessen Geheimnisse einweiht. Wir werden eins zu eins betreut: seine Nichte Len, ein schüchterner Teenager begleitet uns als Köchin.
Seit er zwölf Jahre alt ist, führt Baldemar Touristen durch seine „Selva“. Erst kamen Guides von außerhalb und ließen sich von ihm für ein paar Bolivianos die Wege zeigen. Mit den riesigen weißen Gringos traute er sich nicht zu sprechen. Irgendwann betrauten die Agenturen ihn mit eigen Touren. Aber nur langsam fing Baldemar an, mit seinen Touristen zu sprechen. Außerdem war er ein schlechter Guide, wie er selbst sagt. Dann kamen nordamerikanische und europäische NGOs. Sie machten ihn darauf aufmerksam, dass man den Regenwald schützen, konservieren, nicht unnötig mit der Machete zerschlagen und zumüllen sollte. Er lernte schnell und sie ermöglichten ihm ein Studium der Biologie und des Marketings im fernen Cochabamba. Aber ohne seine „Selva“ hielt Baldemar es nicht lange aus und er brach das Studium nach anderthalb Jahren ab. Trotzdem hat er viel gelernt. Und nun ist er der beste Guide, den man sich wünschen kann. Er kennt die Tiere und den Wald aus der biologischen Perspektive, aber auch aus der mystischen seiner Vorfahren. Wir sehen riesige Schmetterling, Schildkröten, Papageien und Kapuzineräffchen. Wir trinken Wasser aus Lianen, essen die wenigen in der Trockenzeit übrig gebliebenen Früchte des Dschungels, baden bei Sonnenuntergang im Fluss, fertigen Schmuck aus kleinen Kokosnüssen. Heute hat Baldemar keine Hemmungen mehr und erzählt, scherzt und lacht ununterbrochen mit den Gringas.
Wir genießen die drei Tage mit ihm in Dschungel sehr. Trotz des Schlafes auf hartem Boden, trotz Wassermangels und Mosquitos, trotz unzähliger Spinnweben, die wir uns aus dem Gesicht wischen mussten, fahren wir am dritten Tag wehmütig aber irgendwie selig zurück in die hektische Zivilisation La Paz'.










