Buenos Aires - Más o menos
Tag 13
Aller Anfang ist schwer. Ein wenig beim Reisen, mehr beim Schreiben. Hauptsache man fängt irgendwann einmal an...
Buenos Aires ist eine komische Mischung. Ein riesiges Geschwür mit 13 Millionen Bewohnern, eine überschaubare Innenstadt. Europäisch klassische Altbauten, hellhäutige Flaneure auf den Avenidas im Norden der Stadt. Ein Zentrum, dass an Paris erinnert. Eine imposantes neues Hafenviertel a la Hamburger Speicherstadt. Riesige Werbetafeln und Hundesitter verleihen der Stadt bei Zeiten den Anschein einer preiswerten New York-Kopie. Andererseits sieht man südamerikanische Straßenverkäufer und -kinder, letztere besonders gewöhnungsbedürftig für das sozialstaat-verwöhnte europäische Auge.
So wie auf dem imposanten Friedhof Recoleta und im Botanischen Garten tagsüber streunende Katzen aus allen Löchern kriechen und kapellenhaften Gräber und Palmen umschmeicheln, tun es im Zentrum nachts die cartoneros. Eine dunkle, gebückte Armee bevölkert die nächtliche Stadt, um durch Müll ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Jeden Donnerstag umkreisen die „Madres“ den Plaza de Mayo und gedenken ihrer zur Zeiten der argentinischen Militärdiktatur „verschwundenen“ Kinder.
Wie in jede großen Metropole gibt es Armut und Reichtum. Aber Argentinien ist das Land mit der größten Schere in Südamerika und in Buenos Aires ist vor allem das unmittelbares Nebeneinander befremdlich. Auch in den schniksten Vierteln im Norden der Stadt und direkt neben dem repräsentativen Kongress zerfallen die Altbauten. Auf dem Plaza de Mayo direkt vor dem Präsidentenpalast leben ganze Familien auf dem Rasen. Das weltberühmte Tangoviertel La Boca: eine einzige Straße als touristische Fototapete aus bunten Wellblechhüten, Restaurants, Tango tanzende Pärchen. Schaut man einmal um die Ecke ist man im echten La Boca: grau, zerstört, trostlos. Dort gibt es arbeitslose, von Drogen gezeichnete Jugendliche und sonst nichts.
Wenn sie einen nicht gerade bestehlen wollen, sind die porteños, die Bewohner Buenos Aires, sehr offene, freundliche, hilfsbereite Zeitgenossen. Und hat man sich erst einmal an die täglichen Gefährdungen gewöhnt – vor allem durch den argentinischen Fahrstil, holprige Bürgersteige und ein hohes Aufkommen an Hundehaufen –, lebt man fürstlich zwischen italienischen Restaurants, Flohmärkten, charmanten Altbauten und Tangolokalen.





(Fotobearbeitung: eine Jonu-Koproduktion)