Homo germanicus praeproperus
- oder Deutsche am Flughafen
Ein Nachtrag



(Die hier zur Veranschaulichung verwendeten Abbildungen zeigen NICHT Mitglieder der oben genannten Spezies beim "Drängeln". Mögliche Ähnlichkeiten mit Mitgliedern der oben genannten Spezies sind weder gewollt noch intendiert!)
Ein Nachtrag

Ein gewisser Teil unseres Planeten wird von einer gewissen Spezies bevölkert, die sich „deutsch“ schimpft. In der Vergangenheit ist diese Spezies hauptsächlich durch Gewaltexzesse, Obrigkeitshörigkeit und einen ungebremsten Sinn für Ordnung aufgefallen. Von diesen Verhaltensweisen hat sie in letzter Zeit in gewissem Maße Abstand genommen. Nun macht Homo germanicus durch ein anderes, ganz und gar verblüffendes Gebärden auf sich aufmerksam: das "Drängeln, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt.". Gewiss, das "Drängeln" ist eine Verhaltens-weise, die sich auch bei anderen mehr oder weniger artverwandten Lebewesen beobachten lässt: Inder am Marktstand, Engländer beim Ticketverkauf für das nächste Chelsea-Spiel, Chinesen in der U-Bahn, Affen bei der Fütterung. Doch ist dieses Verhalten hier stets an einen zu gewinnenden Vorteil im darwinschen Kampf ums Dasein gekoppelt, sei es Nahrungsaufnahme oder der Prestigesteigerung. Deutsche drängeln einfach aus Prinzip.

Besonders gut ist dieses Verhalten an Flughafen-Gates zu beobachten. Bei jedem Flug das gleiche faszinierende Naturschauspiel: sobald das Flugzeug als „ready for boarding" ausgerufen wird, springen Hans und Lieschen Müller, Justin-Luka und Jakeline hastig auf und schmeißen sich vor den Schalter. Dabei gibt es für den Schnellsten gar nichts zu gewinnen - die Sitze sind verteilt und starten kann der Pilot erst, wenn auch der letzte Italiener an Board ist. Norweger, Spanier und Franzosen bleiben gemütlich sitzen, trinken noch einen Kaffee, lesen ein gutes Buch und schütteln amüsiert den Kopf. Selbst die Bewohner der britischen Inseln, mit denen wir sonst so manches Laster teilen, trinken noch ein, zwei Guinness bevor sie sich gemütlich, torkelnd gen Schalter begeben. Nun mag man mich ob dieser nationalen Stereotypisierung tadeln, aber ich bin ein Fan von empirischer Forschung. Und meine höchst wissenschaftliche Studie an ca. 4.500 Probanden auf ca. 30 Flügen hat eindeutig ergeben: Deutsche drängeln, der Rest macht es sich gemütlich. Soviel zur Empirie, fehlt noch eine passende Theorie. Aber weder psychoanalytisch, noch neurophysiologisch, weder entwicklungspsychologisch noch behavioristischen, systemtheoretisch oder soziologisch lässt sich eine gute Erklärung für dieses Verhalten finden. Selbst die Evolutionstheorie, die sonst so verlässlich Sinn produziert, versagt - ein Darwinsches Paradox. Die Kreationisten haben also doch Recht: ein allmächtiger, allwissender Schöpfer ist die einzig mögliche Erklärung für Deutsche am Flughafen!

(Die hier zur Veranschaulichung verwendeten Abbildungen zeigen NICHT Mitglieder der oben genannten Spezies beim "Drängeln". Mögliche Ähnlichkeiten mit Mitgliedern der oben genannten Spezies sind weder gewollt noch intendiert!)
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