Der Tanz der Freiheit
Jedes Jahr veranstaltet die Stadt Bordeaux einen Begrüßungstag für ihre Studenten. Den Neuankömmlingen wird die Stadt näher gebracht. Wir treffen uns morgens in der Oper, dann geht’s in kleine Grüppchen durch die Stadt. Schnell mal in dieses Museum geschaut und jenen Park geschnuppert, ein paar Fotos geschossen und weiter geht’s. Wir bekommen vieles viel zu schnell zu sehen.Am späten Nachmittag werden wir im Hof des Rathauses begrüßt. Es sind ein paar französische Erstsemester gekommen, aber hauptsächlich ausländische Studenten. Eine Blaskapelle spielt, es gibt Käse, Baguette und Wein. Über dem Rathaus gaukelt, erleuchtet von der untergehenden Sonne, die französische Flagge im Wind. Eine Gruppe von Koreaner fängt an zu tanzen. Nach und nach gesellen sich immer mehr Menschen dazu. Der Empfang hat sich in eine Party verwandelt. Nur ein paar Sicherheitsmänner stehen abseits steif in ihren Uniformen. Nach ein paar Stunden verabschiedet man uns freundlich aber bestimmt vor die Tore.
Doch die Blaskapelle spielt weiter. Wir tanzen auf dem Platz vor dem Rathaus. Es ist ein Tanz zu Ehren der Freiheit. Viele Vorbeispazierende bleiben stehen, einige fallen in den Reigen mit ein. Inzwischen ist es dunkel geworden. Die benachbarte Kathedrale Saint-André hebt sich hell erleuchtet vom tiefblauen Nachthimmel ab. Die Musiker sind müde geworden. Wir entlassen sie mit Applaus.
Dann geht jeder seiner Wege.
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