Guatemala – el bueno, el malo y el feo
Antigua Guatemala
Guatemala ist ein wunderschönes, ein faszinierendes Land. Vielfältig ist seine Natur und nicht nur die „Llama del bosque“ (Flamme des Waldes) blüht hier das ganze Jahr über, was Guatemala den Namen „Land des ewigen Frühlings“ eingetragen hat. In jeder Region gibt es andere Naturwunder, andere Frauen in anderen bunten, aufwendigen, mühevoll gewebten Trachten zu entdecken. Es hat seinen Charme mit „Chickenbussen“ durch die Lande zu fahren, klapprigen ausrangierten US-Schulbussen, die liebevoll bemalt der ganze Stolz ihrer Fahrer sind. Ihren Namen haben Reisende ihnen gegeben, weil die lokale Bevölkerung gerne lebendiges Vieh mitführt.
Guatemalas Geschichte ist eine schrecklich traurige und leider wenig Thema, sowohl von offizieller Seite aus als auch unter Reisenden. 1954 wurde der demokratisch gewählte linke Präsident Jacobo Árbenz Guzmán vom guatemaltekischen Militär mit Hilfe der CIA gestürzt und durch den Diktator Carlos Castillo Armas ersetzt. Ab 1960 versank das Land in einem blutigen Bürgerkrieg, der 200.000 Menschen das Leben kostete und erst 1996 mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages beendet wurde. Besonders gravierend waren die Menschenrechtsverletzungen während der Präsidentschaft General Efrain Ríos Montts, die durch Massaker an der indigene Bevölkerung geprägt war.
Aber auch die Gegenwart ist wenig rosig: Guatemalas ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt. Über 5.000 Tötungsdelikte hat allein das Jahr 2009 zu verzeichnen, bei einer Bevölkerungszahl von knapp 14 Mio., Tendenz steigend (zum Vergleich: Deutschland mit über 80 Mio. Einwohnern 2009 706 Tötungsdelikte). Nur 14% aller Straftaten werden aufgeklärt. Kein Wunder also, dass 48% der Guatemalteken angeben, in extremer Angst zu leben. Im Zentrum der Hauptstadt ist nach 20 Uhr niemand mehr zu Fuß unterwegs.
Im Norden des Landes versickern die Eintrittsgelder für die Maya-Ruinen von Tikal in einem Sumpf aus Drogenmafia und Korruption und von dem einst üppigen Regenwald ist nicht mehr viel übrig. Mythischer Aberglaube, naive Religiösität und die bunten Gewänder haben ihren Charme, aber sie sind auch Sinnbild einer konservativen, zum Teil rückständigen Gesellschaft. Auf dem Land heiraten die jungen Frauen bereits mit 14 Jahren; häusliche Gewalt ist an der Tagesordnung. Besonders die Kinder leiden unter mangelnder Bildung (30% Analphabetenrate) und Armut. Viele müssen bereits in jungem Alter arbeiten; auf den Märkten, auf den Plantagen, als Schuhputzer oder Lastenträger.
Auch die Prognosen sind nicht erhebend: viele Experten glauben, Guatemala werde im Wahljahr 2011 im Chaos versinken. Man kann nur für die „Chapines“ hoffen, dass sich diese Vorhersagen nicht bewahrheiten und man bald nur noch über die positiven Seiten Guatemalas zu berichten hat: die wunderschöne Landschaft und die gastfreundlichen Menschen, die um das Wohlergehen einer allein reisenden Frau stets liebevoll bemüht sind und gerne teilen, auch wenn es nur eine karge Mahlzeit bestehend aus gekochtem Ayote-Kürbis und einer Guisquil-Knolle ist.
Ein Bad im Fluss
Mord- und Totschlag: die alltäglichen Schlagzeilen
Kein seltenes Bild: ein Rauschausschlafender
Die Frauen tragen nicht nur sinnbildlich, sondern oft auch wörtlich die Last der ganzen Familie... auf dem Kopf
Shoeshine Boys in Antigua Guatemala




