Kuba – real existierender Sozialismus im Mini-Rock

Veröffentlicht auf von Jojo Heinz

KU blog 1Kuba in zehn Tage zu durchschauen, ist einfach nicht möglich. Zu anders funktioniert diese Gesellschaft, als alles, was ich aus Erfahrung, Studium und Erzählungen kenne. Und zu schwierig ist es, bis zur Wahrheit vorzudringen, in einem Staat, der die freie Meinungsäußerung unterdrückt und jeglichen Kontakt von Touristen mit der Bevölkerung verhindern will. Auf der einen Seite scheint die karibische Insel ein Paradies zu sein. Da sind die stolzen hochgewachsenen Palmen, die weißen Strände und die türkisfarbene See, pastellfarbene Kolonialbauten und Oldtimer. Die Kubaner wissen viel und sprechen viele Sprachen – jeder hat freien und gleichen Zugang zu Bildung. Die medizinische Versorgung ist gut und steht jedem uneingeschränkt zu. Rassismus scheint es kaum zu geben - auf der Straße sieht man viele gemischte Pärchen und Gruppierungen, die Hautfarbe scheint in keiner Verbindung zum sozialem Status oder der finanziellen Situation einer Person zu stehen. Überall sieht man Solidarität: Menschen, die einander mitfühlend auf die Schulter klopfen, die einander helfen. Es gibt so gut wie keine Kriminalität.

Aber Kuba ist auch trostlos. Viele Menschen sind arm. Zwar versorgt der Staat seine Bevölkerung mit Wohnungen und Essensrationen. Aber letztere reichen nicht, um ein einigermaßen angenehmes Leben zu führen. Die  Regale der Geschäfte, die sich abseits der touristischen Hot-Spots befinden, sind leer. Ein Arzt verdient in Kuba umgerechnet etwa 20 Euro im Monat. Davon kann er sich zwar viele Peso-Pizzen kaufen (kaum genießbare Imitation einer Pizza Margherita), die man an jeder Ecke für umgerechnet 6 Eurocent bekommt. Aber eine Flasche Wasser kostet 60 Eurocent und ein vernünftiges Bier 80, auch die Preise für Kleidung sind mit deutschen zu vergleichen. Nach dem Fall der Mauer und dem Zusammensturz des Ostblocks, also dem Wegfall des wichtigsten Handelspartners und Geldgebers, geht es Kuba wirtschaftlich schlecht. Aus reiner Verzweiflung konzentriert man sich seit den 90er Jahren auf den Tourismus. Kuba hat zwei Währungen: den CUC (Umwandelbarer Peso) und CUP (Kubanischer Peso (auch MN (Moneda National)); die eine ist etwas wert, die andere nichts. Gehälter werden in Moneda National ausgezahlt, wer CUC will, muss im Tourismus arbeiten. Das hat absurde Konsequenzen: Ärzte arbeiten als Kellner, Anwälte als Kofferträger, weil sie so mehr Geld verdienen. Ein junges Mädchen kann als Prostituierte an einem Tag mehr verdienen als der Vater im Monat. Viele Kubaner sehen in den Touristen vor allem die CUC-Zeichen auf der Stirn. Havannas Straßen sind überlaufen mit jineteros und jineteras, die versuchen, den Touris etwas zu verkaufen: ihren Körper, Zigarren, Che-Guevara-Münzen. Die geringe Kriminalitätsrate wird durch Überwachung garantiert. An jeder Ecke steht ein Polizist oder eine Polizistin (weibliche Uniformen jeglicher Art mit obligatorischem Mini-Rock). Außerdem hat jeder Block einen Wart, der ununterbrochen nach dem Rechten schaut. Kaum ein Kubaner hat Zugang zum Internet. Es gibt nur eine staatliche Tageszeitung. Regierungskritiker werden verhaftet und verurteilt.

Die meisten Kubaner, mit denen ich gesprochen habe, sehen all diese Probleme und kritisieren sie. Aber sie sehen auch das Gute in ihrem Staat und sind stolz auf die hart erkämpfte Unabhängigkeit von den USA. Sie hoffen darauf, dass sich Kuba langsam verändern wird. Außerdem lassen sich die Kubaner so schnell nicht ihre Lebensfreude nehmen. Sie tanzen weiter Salsa und nehmen ihre Situation mit Humor: "Was ist der einzige Drink, den der Kubaner schon immer versucht zu machen, aber nie hinbekommt? Cuba libre!"

Kuba in zehn Tagen zu durchschauen, ist unmöglich. Trotzdem habe ich diesen zehn Tagen unheimlich viel gelernt und erfahren. Ich werde noch lange zu grübeln und zu recherchieren haben.

 

KU blog 6

 

KU blog 5

 

KU blog 3

 

KU blog 11

 

KU blog 2

 

KU blog 4

 

KU blog 12

 

KU blog 14

 

KU blog 15

 

KU blog 20

 

KU blog 21

Werbung

Veröffentlicht in Nachdenkliches

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
M
<br /> Siiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!<br /> Du auch ;-)<br /> <br /> <br />
Antworten
J
<br /> So schön, dass ich all diese Erfahrungen mit dir teilen, all die Fragen mit dir diskutieren konnte!<br /> <br /> <br />
Antworten