Tour nach Uyuni - dürftig charakterisiert in Wort und Bild
Wir haben eine Drei-Tagestour gebucht von San Pedro de Atacama, Chile mit dem Jeep nach Uyuni, Bolivien. Dienstag Morgen geht es los. Erst einmal mit dem Bus über die Grenze und dann mit dem Jeep weiter. Mit mir fahren Julia, meine jetzt schon fast Langzeit-Reisekumpanin und Fumajaki, ein Japaner unbestimmbaren aber jungen Alters, schüchtern, nervöses Lachen, der spanischen Sprache nicht mächtig, und unser Fahrer Doro, ein Bolivianer schätzungsweise Mitte 50, der nach eigenen Angaben aus der Salar de Uyuni stammt. Er spricht nicht viel, vor allem kein Wort Englisch, antwortet auf Fragen aber geduldig. Erster Stop: die Laguna Blanca – sie ist tatsächlich weiß – und die Laguna Verde – sie hat tatsächlich einen Grünstich und liegt in feinster Lage zu Fuße des Vulkans Licancabur. Danach baden wir in natürlichen heißen Thermen. Draußen ist es schweinekalt; da möchte man am liebsten im Wasser sitzen bleiben. Wir passieren einen Geysir: „Foto-Stop“! und treffen am Nachmittag an der Laguna Colorada an (blau und rot!). Nach einem anderthalbstündigen Spaziergang, auf dem wir haufenweise Flamingos und ein paar Vicuñas beobachten können, wartet erst einmal das Bett – die Höhe (bis zu 5.000 m) setzt uns dann doch mehr zu als gedacht und überall sonst ist es einfach zu kalt. Im Hostel (keine Heizung, keine Duschen, keine Klospülung – im Agenturen-Jargon „basic“ genannt) machen wir Bekanntschaft mit der ersten bolivianischen Altiplano-Bewohnerin, die – lange schwarze geflochtene Zöpfe, dicker Faltenrock – zeternd nach unserem Zimmerschlüssel sucht. Ob der Kälte geht es mit allen Klamotten, die der Weltreiserucksack zu bieten hat, inklusive frisch erstandener Lama-Komplett-Ausrüstung (Pullover, Mütze, Handschuhe) ins Bett; ein bisschen lesen, dann schlafen.
Den zweiten Tag verbringen wir fast ausschließlich im Jeep. Wir springen nur ab und zu kurz raus, um ein paar Fotos von Bergketten, Felsformationen und zugefrorenen Lagunen zu machen; so atemberaubend wie die Landschaft ist auch der eisig kalte Wind. Erst als wir die Höhe wieder verlassen und ein paar eher verlassene, trostlose Dörfer am Rand der Salar de Uyuni anschauen, wird uns etwas wärmer. Unser Hostel für die zweite Nacht ist luxuriös: es gibt warmes Wasser zum Duschen und die Besitzer sind sehr bemüht, es uns gutgehen zu lassen.
Am dritten Tag stehen wir um sieben auf in freudiger Erwartung der Salar. Etwas verspätet kommt unser Fahrer Doro mit dem Jeep. Leider ist er vollkommen betrunken; kein schöner Anblick das: er lallt, seine Augen triefen, er kann nicht gehen, nicht stehen, möchte aber gerne fahren. Wir verordnen ihm erst einmal eine Runde Schlaf, die er immer wieder unterbricht, um uns Unverständliches über die Salar und seine – mal 10, mal 15 Jahre währende – Guide-Tätigkeit zu erzählen. Wir halten Kriegsrat ab und entscheiden uns für einen neuen Fahrer. Der muss aber erst per Funk („Uuuuuuyuniiiii, Uuuuuuyuniiiii, die Touristen sind immer noch da! Sie wollen nicht fahren!“) angefordert werden und so verbringen wir einen einsamen Vormittag in einem kleinen Dorf am Rande der Salar, auf die wir immer wieder schmachtende Blicke werfen. Hin und wieder erstattet uns Doro einen Besuch ab, jedes Mal wirkt er aufgebrachter, verrückter, aber nicht nüchterner. Endlich, um 14 Uhr, kommt unser Ersatzfahrer Juvenal. Er ist auch nicht besonders gesprächig, bringt uns aber in die ersehnte unendliche Salzweite, die wir besonders genießen, weil nachmittags die Wolkendecke aufreißt und uns ein paar Fetzen blauen Himmels gewährt. Mitten im endlosen Weiß hält Juvenal an, zeigt auf ein Kreuz. „Hier sind letztes Jahr 10 Touristen ums Leben gekommen bei einem Frontalzusammenstoß. Der Fahrer war betrunken und ist am Steuer eingeschlafen“ kommentiert er trocken. Drei Tage von San Pedro de Atacama, Chile nach Uyuni, Bolivien mit dem Jeep: erlesene, fast unglaubliche schöne Landschaften mit leicht bitterem Beigeschmack.















